Wie eine qualitativ hochwertige Spirometrie die Diagnostik von Atemwegserkrankungen in der Primärversorgung verbessern kann

Von Charlene Mhangami, Lead UK comPAS™ Clinical Specialist, Vitalograph

Vitalograph Living Lab SP6

Eine qualitativ hochwertige Spirometrie liefert objektive Messwerte, die eine frühzeitige Diagnose von Atemwegserkrankungen unterstützen, Überweisungsentscheidungen erleichtern und die Lungenfunktion im Verlauf überwachen können. Dieser Artikel beleuchtet den Stellenwert der Spirometrie in der Primärversorgung, die Voraussetzungen für zuverlässige Testergebnisse und die Integration der Untersuchung in den diagnostischen Alltag.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

  • Zuverlässige Spirometrieergebnisse setzen geschultes Fachpersonal, ein für den jeweiligen Zweck geeignetes Messgerät sowie die Durchführung gemäß dem ATS/ERS-Standard von 2019 voraus.

  • Spirometrie und FeNO-Messung liefern sich ergänzende Informationen. Die Kombination beider Verfahren kann, sofern verfügbar, unnötige Folgetermine und Verzögerungen bei der Diagnosestellung reduzieren.

  • Ein breiterer Zugang zu qualitätsgesicherter Spirometrie in der Primärversorgung kann eine frühere Diagnosestellung unterstützen und vermeidbare Behandlungsverzögerungen verringern.

Warum Spirometrie in der Primärversorgung unverzichtbar ist

Die Primärversorgung ist häufig die erste Anlaufstelle für Menschen mit respiratorischen Beschwerden. Objektive Untersuchungsverfahren wie die Spirometrie und die Messung des fraktionierten exhalierten Stickstoffmonoxids (FeNO) können, in Kombination mit Anamnese, klinischer Beurteilung und Therapieansprechen, die diagnostische Sicherheit erheblich verbessern.

Darüber hinaus helfen diese Untersuchungen bei der Entscheidung, ob eine Erkrankung im hausärztlichen Umfeld behandelt werden kann oder eine weiterführende fachärztliche Abklärung erforderlich ist. Durch eine frühzeitige und fundierte Diagnostik lassen sich wiederholte Arztbesuche sowie Verzögerungen bei der Diagnosestellung vermeiden.

Allein anhand der Symptome lässt sich die Ursache respiratorischer Beschwerden häufig nicht eindeutig bestimmen. Die Spirometrie misst das Volumen und den Fluss der ausgeatmeten Luft nach maximaler Einatmung. Dadurch können Atemwegsobstruktionen erkannt oder Befunde erhoben werden, die auf eine restriktive Ventilationsstörung hinweisen.

Trotz ihres hohen diagnostischen Nutzens ist der Zugang zu qualitativ hochwertiger Spirometrie in der Primärversorgung oftmals eingeschränkt. Finanzielle Rahmenbedingungen, Schulungsbedarf, organisatorische Herausforderungen sowie patientenbezogene Faktoren stellen nach wie vor Hürden für eine flächendeckende Versorgung dar.

Angesichts der zunehmenden Häufigkeit chronischer Atemwegserkrankungen und der weiterhin hohen krankheitsbedingten Sterblichkeit gewinnt der Zugang zu objektiven diagnostischen Verfahren zunehmend an Bedeutung. Hausärztinnen und Hausärzte sind dabei ideal positioniert, um die Früherkennung, Diagnosestellung und langfristige Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Atemwegserkrankungen zu unterstützen.

Grundlagen der Spirometrie

Zu den wichtigsten spirometrischen Parametern zählen die Vitalkapazität (VC), das forcierte exspiratorische Volumen in einer Sekunde (FEV₁), der FEV₁/FVC-Quotient sowie der Peak Expiratory Flow (PEF). Welche Messwerte für die Interpretation herangezogen werden, hängt von der jeweiligen klinischen Fragestellung ab.

Die erhobenen Werte werden mit Referenzwerten verglichen, die Faktoren wie Alter, Körpergröße und Geschlecht berücksichtigen. Prozentuale Sollwerte spielen weiterhin eine Rolle in verschiedenen diagnostischen Kriterien. Aus statistischer Sicht ermöglichen jedoch Z-Scores und die sogenannte untere Normgrenze (Lower Limit of Normal, LLN) eine präzisere Beurteilung, ob ein Ergebnis außerhalb des erwarteten Bereichs liegt. Auch absolute Messwerte sind für die Verlaufskontrolle der Lungenfunktion von großer Bedeutung, vorausgesetzt die Untersuchungsbedingungen und die Testqualität bleiben im Zeitverlauf vergleichbar.

Wichtige Voraussetzungen für zuverlässige Messergebnisse

Eine zuverlässige Spirometrie setzt technisch einwandfreie und reproduzierbare Messungen voraus. Ebenso entscheidend sind qualifizierte Anwenderinnen und Anwender sowie eine konsequente Qualitätssicherung. Die ATS/ERS-Empfehlungen von 2019 gelten hierbei als internationaler Referenzstandard für die Durchführung und Bewertung spirometrischer Untersuchungen.

Verlässliche Ergebnisse erfordern zunächst eine fundierte Grundausbildung. Um die erforderliche Kompetenz langfristig aufrechtzuerhalten, sind darüber hinaus regelmäßige praktische Anwendung sowie Auffrischungsschulungen notwendig.

Ebenso wichtig ist die Wahl eines Geräts, das dem jeweiligen Einsatzzweck entspricht. Handheld-Geräte können beispielsweise bei Screening- oder Früherkennungsprogrammen hilfreich sein. Für eine vollständige diagnostische Beurteilung müssen Spirometer jedoch die erforderliche Messgenauigkeit, Qualitätskontrollfunktionen und Messparameter bereitstellen.

Darüber hinaus sollten Vorbereitung, Wartung und Qualitätssicherungsmaßnahmen stets gemäß den gerätespezifischen Herstelleranweisungen sowie den lokalen Qualitätsstandards erfolgen, da sich die Anforderungen je nach Technologie und Hersteller unterscheiden können.

Moderne Spirometer sind heute sowohl als mobile Handgeräte als auch als PC-basierte Systeme verfügbar. Dadurch lässt sich die Spirometrie einfacher in den Alltag der Primärversorgung integrieren.

Gleichzeitig ist es wichtig, die zugrunde liegende Messtechnologie zu verstehen. Diese beeinflusst nicht nur die Genauigkeit der Messung, sondern auch die erforderlichen Schritte zur Wartung und Qualitätssicherung. Günstige Atemwegsmonitore verwenden häufig Turbinentechnologie. Diese eignet sich für Screening- oder Früherkennungsmaßnahmen, erfüllt jedoch nicht die Anforderungen einer diagnostischen Spirometrie. Diagnostische Spirometer nutzen dagegen beispielsweise Fleisch-Pneumotachographen oder ultraschallbasierte Flussmessverfahren, die für eine umfassende Funktionsdiagnostik entwickelt wurden und eine höhere Messgenauigkeit ermöglichen.

Während Atemwegsmonitore keine Kalibrationsüberprüfung erfordern, sehen die ATS/ERS-Empfehlungen für diagnostische Spirometer regelmäßige Kalibrationskontrollen vor. Moderne Diagnosespirometer zeichnen sich zwar durch eine hohe Langzeitstabilität aus und müssen nur selten neu kalibriert werden. Dennoch bleibt die Kalibrationsüberprüfung ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung, um die korrekte Funktion des Geräts zu bestätigen und mögliche Beschädigungen rechtzeitig zu erkennen.

Letztlich sollte die klinische Fragestellung immer darüber entscheiden, welches Gerät verwendet wird und welche vorbereitenden Maßnahmen erforderlich sind.

Hinweis: Die Patientensicherheit hat bei jeder spirometrischen Untersuchung oberste Priorität. Vor Testbeginn sollte der Untersucher den erforderlichen Kraftaufwand erläutern, mögliche relative Kontraindikationen gemäß ATS/ERS-Richtlinien berücksichtigen und prüfen, ob forcierte Atemmanöver für die Patientin oder den Patienten ein unnötiges Risiko darstellen könnten. Liegt eine Kontraindikation vor oder ist deren klinische Bedeutung unklar, sollte die Untersuchung bis zur entsprechenden medizinischen Beurteilung verschoben werden.

Spirometrie im diagnostischen Versorgungspfad

Wann und wie die Spirometrie im Rahmen von Diagnose, Verlaufskontrolle und Langzeitmanagement eingesetzt werden sollte, richtet sich nach den jeweiligen krankheitsspezifischen Leitlinien. Hierzu zählen unter anderem die GOLD-Leitlinien für COPD, die gemeinsamen BTS-, NICE- und SIGN-Leitlinien für Asthma, die GINA-Leitlinien sowie die NICE-Empfehlungen zur idiopathischen pulmonalen Fibrose.

Im Asthma-Diagnosepfad ergänzen sich FeNO-Messung und Spirometrie in idealer Weise. Während die FeNO-Messung Hinweise auf eine Typ-2-Entzündung der Atemwege liefert, beurteilt die Spirometrie den exspiratorischen Atemfluss und kann eine variable Atemwegsobstruktion nachweisen.

Stehen beide Untersuchungsverfahren zur Verfügung, kann ihre koordinierte Integration in den diagnostischen Ablauf die Anzahl der Kontrolltermine reduzieren und unnötige Verzögerungen vermeiden. Die Beurteilung einer Bronchodilatator-Reversibilität sollte stets anhand der aktuell gültigen Leitlinien erfolgen und nicht isoliert vom klinischen Gesamtbild betrachtet werden.

  • Die FeNO-Messung dient der Erfassung einer Typ-2-Atemwegsentzündung. Erhöhte Werte können die Diagnose Asthma unterstützen, sofern sie mit Symptomen und Anamnese übereinstimmen. Normale oder niedrige Werte schließen Asthma jedoch nicht aus, insbesondere bei nicht Typ-2-vermittelten Asthmaformen.

  • Die Basis-Spirometrie erfasst den exspiratorischen Atemfluss und kann Auffälligkeiten der Lungenmechanik, einschließlich einer Atemwegsobstruktion, aufzeigen. Für eine belastbare Interpretation müssen die Ergebnisse den anerkannten Qualitätsstandards entsprechen und stets im Zusammenhang mit Symptomen, Anamnese und weiteren objektiven Befunden bewertet werden.

  • Für die Untersuchung der Bronchodilatator-Reversibilität wird zunächst eine Basismessung durchgeführt. Anschließend erhält die Patientin oder der Patient einen Bronchodilatator, üblicherweise Salbutamol. Nach der empfohlenen Wartezeit wird die Spirometrie wiederholt. Die Veränderung des FEV₁-Werts wird anhand der jeweils gültigen diagnostischen Kriterien bewertet und im klinischen Gesamtkontext interpretiert.

  • Wo sowohl FeNO als auch Spirometrie verfügbar und medizinisch angezeigt sind, empfiehlt sich deren Einbindung in einen gemeinsamen Diagnostikpfad. Dieser sollte außerdem klar definieren, wann auffällige, unklare oder technisch unzureichende Untersuchungsergebnisse eine Wiederholung, weiterführende Diagnostik oder eine Überweisung erforderlich machen.

    Wichtig: FeNO-Messung und Spirometrie liefern komplementäre Informationen und können einander nicht ersetzen. Während FeNO das Ausmaß einer Typ-2-Atemwegsentzündung beurteilt, bewertet die Spirometrie die Lungenfunktion und mögliche Atemwegsobstruktionen.

Optimierung der Spirometrie in der Primärversorgung

Verhinderung von Exazerbationen durch Überwachung

Patientinnen und Patienten mit Atemwegserkrankungen können Exazerbationen entwickeln, die ihre Gesundheit und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Regelmäßige Verlaufskontrollen mit Symptomerfassung und objektiven Messungen können helfen, Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen und therapeutische Maßnahmen entsprechend anzupassen. Vollständige Spirometrien oder ausgewählte Messparameter können hierbei wertvolle Informationen liefern. Die Ergebnisse sollten jedoch stets gemeinsam mit Symptomen, Medikation und Exazerbationshistorie betrachtet werden.

Verkürzung von Diagnoseverzögerungen

Ein eingeschränkter Zugang zu objektiven diagnostischen Verfahren kann dazu führen, dass Patientinnen und Patienten über längere Zeit behandelt werden, ohne dass eine gesicherte Diagnose vorliegt. Eine bessere Verfügbarkeit diagnostischer Spirometrie, unterstützt durch geschultes Personal und klare Überweisungswege, kann die diagnostische Sicherheit erhöhen und eine frühere Einleitung geeigneter Therapien ermöglichen.

Förderung von Prävention und Früherkennung

Auch wenn sich nicht jede Atemwegserkrankung verhindern lässt, kann eine frühzeitige Identifikation von Risikopatienten die Diagnosestellung beschleunigen und die langfristige Krankheitskontrolle verbessern. Symptome, Rauchanamnese sowie berufliche oder umweltbedingte Expositionen können helfen, Personen zu identifizieren, die von einer objektiven Lungenfunktionsdiagnostik profitieren würden.

Einsatz der Atemüberwachung im Rahmen von Vorsorgeprogrammen

Atemwegsmonitore können in Screening- und Früherkennungsprogrammen eingesetzt werden, indem sie ausgewählte Parameter wie FEV₁, PEF oder FEV₆ erfassen. Auffällige Ergebnisse können Anlass für eine weiterführende Diagnostik einschließlich einer diagnostischen Spirometrie sein. Diese Geräte unterstützen eine effiziente Patientenbeurteilung, sollten jedoch niemals allein zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer Atemwegserkrankung verwendet werden.

Fazit

Schulungsanforderungen, finanzielle Rahmenbedingungen und organisatorische Herausforderungen stellen weiterhin reale Hürden für die Umsetzung spirometrischer Diagnostik in der Primärversorgung dar. Gleichzeitig machen technologische Fortschritte und wirtschaftlich attraktive Geräte die Lungenfunktionsdiagnostik zunehmend zugänglicher.

Ein fundiertes Verständnis der Geräteeigenschaften, qualifizierte Anwenderinnen und Anwender sowie ein konsequenter Fokus auf Patientensicherheit bilden die Grundlage für verlässliche Messergebnisse und fundierte klinische Entscheidungen.

Die Spirometrie gehört zu den wertvollsten objektiven Untersuchungsverfahren in der Diagnostik und Betreuung von Atemwegserkrankungen. Wird sie gemäß anerkannter Standards durchgeführt und interpretiert, kann sie Atemwegsobstruktionen identifizieren, Hinweise auf restriktive Ventilationsmuster liefern und Veränderungen der Lungenfunktion im Verlauf dokumentieren.

Was bedeutet das für Ihre Praxis?

Investitionen in die Aus- und Weiterbildung des Fachpersonals sind ebenso wichtig wie die Anschaffung geeigneter Diagnostikgeräte. Screening- und Monitoring-Systeme können wertvolle Unterstützung leisten, ersetzen jedoch keine diagnostische Spirometrie. Wo dies möglich ist, sollten FeNO-Messung und Spirometrie in einen einheitlichen Diagnostikpfad integriert werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, klare Kriterien für Wiederholungsuntersuchungen, weiterführende Diagnostik und Überweisungen festzulegen.

Durch die Kombination von Spirometrie, klinischer Beurteilung und ergänzenden Verfahren wie der FeNO-Messung können Teams in der Primärversorgung ihre diagnostische Sicherheit erhöhen, vermeidbare Verzögerungen reduzieren und eine frühzeitige, patientenzentrierte Versorgung unterstützen. Als langjähriger Anbieter respiratorischer Diagnostiklösungen unterstützt Vitalograph medizinische Fachkräfte dabei, genau diese qualitätsgesicherte und leitlinienkonforme Diagnostik in der Praxis umzusetzen.

Die in diesem Artikel genannten klinischen Empfehlungen und Kriterien basieren auf den aktuellen Leitlinien und technischen Standards, die in den nachstehenden Quellenangaben aufgeführt sind.

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